Zitat vom Buckfastverband Bayern. Original hier (Stand 13.01.2019):

https://www.buckfast-bayern.de/neu/buckfastbiene/belegstellen/karwendel/

 

Die Mutter der B147Vt(LS) ist die B14Vt von Ralf Höling. Ralf erhielt diese in 2014 als junge begattete und bereits ohne Behandlung überwinterte Königin von Altmeister Josef Koller. Josef beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit dem brandaktuellen Thema „Behandlungsfreie Völkerführung“. Ist es doch die größte Herausforderung in der heutigen Imkerei, eine varroatolerante oder varroaresistente Biene zu erzüchten. Viele hatten dafür anfangs nur ein Schmunzeln übrig und kippten weiter alles Mögliche in ihre Völker. Seit dem Import von Primorskiköniginnen im Jahr 2000 versucht Josef auf züchterischem Wege dem Problem Varroamilbe Herr zu werden. Als Grundlage dienen ihm dabei die Primorskibiene, die Elgonbiene und die Buckfastbiene. Gerne können sie seine Entwicklung, die Fortschritte, aber auch die Rückschläge auf diesem Gebiet der Bienenzucht auf seiner Homepage nachlesen. Sie erreichen diese unter http://www.josefkoller.de/index.php.

B147Vt(LS) ist eine F11 einer Elgonabstammung. Elgon ist nicht etwas ganz neues, sondern eine Zuchtlinie der Buckfast, die hauptsächlich auf der a.m.monticola von Erik Österlund basiert. Die Monticola stammt aus Kenia in Afrika. An den Berghängen des Kilimandscharo suchte schon Bruder Adam nach geeigneten Eigenschaften zur Erreichung einer Varroa-Resistenz. Er schrieb dazu in einem seiner letzten Reiseberichte (ADIZ 1988 22(8) S. 277-278 und (9) S. 300-302):

„Soweit wir heute feststellen können, werden wir - wenn überhaupt irgendwo - in Afrika die Vorbedingungen zu einer Varroa-Resistenz finden. Es liegen dort extrem nachteilige, sowie äußerst wertvolle Leistungseigenschaften in maximaler Intensität zugleich vor. Allerdings, wer Mendels Lehre erfasst hat, weiß, dass mit zweckdienlicher Auslese und Paarungen die Kreuzungen allein zu den wirtschaftlich wertvollsten Kombinationen führen…“

Josef kombinierte seine Elgonbienen mit Primorski und Buckfast. Dazu nutzte er „raffinistisch“ veranlagt Mondscheinbegattung in der Oberpfalz und die Drohnenlinien der bayerischen Buckfastbelegstellen.

Von typischen Rasseneigenschaften in der 11. Filialgeneration einer Ausgangsrasse wie Monticola zu sprechen, halte ich persönlich sowieso für nicht zielführend in unserm Zuchtsystem. Da wird nach meiner Meinung zu viel „hype“ darum gemacht. Eine mathematische Betrachtung spare ich mir. Es kann sich jeder selbst an den Rechner setzen und 100 % (Gene der Ausgangslinie) 11x durch 2 teilen, was sich dabei an Resterbgut von der Zuchtmutter ergibt?

Es ist jetzt Buckfast!

B147Vt hat buckfasttypische hervorragende Eigenschaften:

  • hohe Vitalität und breite Genetik,
  • sehr gute Sanftmut,
  • geringe Schwarmtendenz durch brutraumferne Honigstapelung,
  • sehr gute Fruchtbarkeit,
  • hohe Honigerträge,
  • gute Überwinterung bei geringem Futterverbrauch,
  • sehr guter Bautrieb.

Einzig der Propolissammeltrieb könnte vielleicht etwas verhaltener sein? Letztendlich wollen wir diesen aber bewusst nicht völlig unterdrücken. Vielleicht korrespondiert dieser ja mit dem sehr guten Verhalten hinsichtlich Varroabefall? Wir wissen es noch nicht! Ralf Höling sagt, es besteht gute Evidenz, dass Völker, die viel Propolis verwenden, gesunder sind. Und es gibt inzwischen einige wissenschaftliche Studien die diesen Umstand belegen. Die Zucht auf verbesserte Varroatoleranz müssen wir auf jeden Fall weiter verstärken.

Mutter (B14Vt) wie auch Vater (B74Vt) der B147Vt haben ohne Behandlungen mehrere Jahre bei Ralf Höling und Josef Koller überlebt. Wir wählten daher gemeinsam in der Projektgruppe genau diese beiden Abstammungen im Frühjahr 2016 als erste Buckfastlinien für unser VSH-Zuchtprojekt bei Buckfast Bayern/Süd aus. Kombinationen beider Linien überzeugten dabei im vollen Umfang. Es ergaben sich einige hervorragende VSH-Werte unter fachkundiger Betreuung durch die Arista Bee Research Stiftung mit BartJan Fernhout aus den Niederlanden. Unerfahren in Überwinterung von eindrohnbesamten (=sdi, single drone insemination) Kleinsteinheiten (Miniplus mit 2 Zargen), haben wir uns dazu entschieden auf eine Behandlung dieser VSH-Kombinationen zu verzichten. Lediglich die als „back-up“ gedachten mehrdrohnbesamten hochprozentigen Kombinationen, die für das ganze Projekt von entscheidender Bedeutung sein können, wurden bei mir im Winter mit Oxalsäure behandelt. Auch B147Vt mit 87,5% VSH und deren Schwestern mit 62,5% VSH sind deshalb behandelt worden. Der Varroamilbenbefall dieser VSH-Völker lag im Winter 2016/17 lediglich zwischen 1 % und knapp unter 3%, später im Jahr waren es maximal ca. 3% Varroamilbenbefall (Stichproben mit CO2-Methode). Und das auch im Herbst 2017, so dass ich auf eine Behandlung von B147Vt und deren Schwestern inzwischen ganz verzichtet habe.

Überhaupt verzichtete ich nicht nur auf die Winterbehandlung 2016/17 bei den sdi-VSH-Königinnen, sondern vereinzelt auch bei normalen Buckfastvölkern. Ohne gezielte Befallskontrolle kann ich das aber ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfehlen! Alles was über 1% phoretischen (auf Bienen aufsitzenden) Varroamilbenbefall Ende August / Anfang September hat, ist ein Kandidat für einen Winterverlust. Das muss nicht sein! Es sind zu dieser Zeit die wenigsten Milben auf den Bienen und einfach noch zu viele Varroas in der Brut. Nichtbehandlung bitte nur bei guten Kenntnissen und laufender gewissenhafter Kontrolle auch des Brutbefalls durch das Öffnen von Brutzellen. Sonst erleidet man schnell Schiffbruch und „geht durch das Tal der Tränen“, wie es Josef Koller aus seiner Erfahrung heraus immer sagt.

Im Sommer 2017 führte ich in meiner Imkerei zur Umstellung von Zander auf Zadant im Brutraum und zur Gewinnung von Varroamilben für die Infektion unserer VSH-Völker (!) nur noch eine einzige totale Brutentnahme Ende Juni durch. Und was soll ich sagen: Die Milben werden weniger, haben aber ihren Schrecken noch nicht verloren. Wir werden weiter auffällige Völker behandeln müssen und konsequent mit jungen Königinnen aus unserem VSH-Projekt umweiseln müssen.

Für den Winter 2017/18 verzichte ich nun ganz auf eine Winterbehandlung. Nur auffällige Völker über 1% phoretischen Milbenbefall wurden im September mit Oxalsäure behandelt. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Völker weitestgehend aus der Brut.

Allgemein fällt es mir in meiner Imkerei immer wieder auf, dass der Varroamilbenbefall unmittelbar mit der Sanftmut korrespondiert. Sind mehr Milben in den Völkern, dann reagieren solche Völker oftmals etwas gereizter als das bei einem niedrigeren Befallsgrad wäre. Auch das ist ein guter Indikator für Varroamilbenbefall. Es muss nicht immer an den „bösen“ Bienen liegen.

Durch entsprechende weitere Anpaarungen in der Zukunft, kann man aber in diesem Bereich Varroamilbenbefall sicherlich noch Verbesserungen erzielen. Viele Züchter in der GdeB arbeiten zusammen mit der Arista weiter am Ziel Varroaresistenz bzw. Varroatoleranz. Es wird auch noch etwas Zeit ins Land gehen bevor VSH-Linien auf allen Buckfastbelegstellen in Bayern zur Verfügung stehen werden. Aber wir arbeiten daran!

Es wäre mein Wunsch, dass sich noch viel mehr unserer Züchter an diesem VSH-Projekt beteiligen. Selektion auf breiter genetischer Basis kann nur funktionieren, wenn wir diese breite genetische Basis, die unsere Buckfastbiene insbesondere auszeichnet, weiterhin erhalten.

Alle 40 diesjährigen Nachzuchten der B147Vt(LS) mit 87,5% VSH sind mit einer 75%-VSH-Linie von Paul Jungels V97-3 in 2017 angepaart worden, um eine gleichmäßige Selektion zu ermöglichen. Auf der Belegstelle Karwendel werden dann die 20 besten Buckfast-Drohnenvölker im Zuchtjahr 2018 zum Einsatz kommen. Sicherlich kann auch das ein oder andere Gen zu VSH (= Varroa Sensitive Hygiene) / SMR (= Suppressed Mite Reproduktion = unterdrückte Milben Reproduktion) bei der Anpaarung mit dieser Drohnenlinie vererbt werden. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Selektion für die Drohnenvölker der Belegstelle Karwendel wird sich im Frühjahr in erster Priorität nach den ganz hervorragenden Buckfasteigenschaften dieser Linie richten.

Ich empfehle jedem Züchter, der sich wirklich ernsthaft mit dem Thema VSH/SMR beschäftigen will, sich „auf die Suche“ nach diesen Eigenschaften in seinem eigenen Zuchtmaterial zu machen. Die ganzjährige Dokumentation des Varroamilbenbefalls - z.B. mittels CO2 oder durch das Öffnen von Brutzellen - ist ein erster Schritt. Er legt damit den Grundstock für seine weitere Selektionsarbeit mit Buckfast und dem Zuchtziel „Überleben ohne biotechnische und chemische Behandlungen“!